Interview

Lieber Joe, du bist Autor bei REDRUM BOOKS. Erfüllt sich damit ein lang gehegter Traum, oder hast du früher bereits Bücher auf den Markt gebracht?

 

REDRUM ist die Erfüllung eines Traums! Es ist alles andere als selbstverständlich, einen Verlag zu finden. Wenn es dann noch einer mit Leuten ist, die so krank sind, dass man sich wirklich wie zuhause fühlt, ist das was Besonderes. :-) Bücher habe ich vorher schon auf den Markt gebracht, teilweise in Massen. Habe in verschiedenen Verlagen im Marketing gearbeitet, unter anderem im modernen Antiquariat. Dort »verjuckelt« man tausende Bücher für 1,- Euro das Stück. Man verramscht sie also, um es unliterarisch auszudrücken. Ein Massenbegräbnis für literarische Hoffnungen. In dieser Zeit war ich quasi ein Totengräber für Bücher.

 

Hörst du Musik, während du schreibst und falls ja, welche Richtung (bspw. Klassik, Rock, Rap, spezielle Band/s)?

 

Unterschiedlich. Manchmal brauche ich absolute Ruhe. Musik höre ich meist, wenn ich einen kleinen Kick benötige. Dann sind es oft Oldies, bevorzugt aus den 50ern und 60ern. Und so ziemlich alles, was Youtube hergibt. Am liebsten natürlich Amerikanisches: Sam Cooke, Sam and Dave, Nat King Cole, The Coasters etc.. Gelegentlich auch finnische Coverversionen oder japanischen Pop - Sakamoto Kyu oder die Peanuts. Kommt ganz auf die Stimmung an.

 

Wieviel Zeit hast du für dein aktuelles bzw. letztes Werk benötigt - inklusive Recherche?

 

Viel zu lange. Aber ich werde von Story zu Story besser.

 

Schreibst du einfach drauflos und die Geschichte entwickelt sich, oder arbeitest du streng nach einem vorab ausgearbeiteten Skript?

 

Die Ideen kommen von selbst. Irgendwann ist da ein Charakter oder eine Situation im Kopf, der Anfang zu einer Story. Dann fange ich an zu schreiben und sehe, wo mich das Ganze hinführt. Im Prinzip ist die Geschichte im Unterbewusstsein bereits fertig. Der Schreibprozess legt sie nur frei. Es kann aber hilfreich sein, sich an einem vorab angefertigten Skript zu orientieren. Ich denke hier speziell an umfangreichere Arbeiten.

 

Wo schreibst du bevorzugt (am Schreibtisch, mit dem Laptop auf den Knien im Bett, am Küchentisch o.Ä.)?

 

Beispielsweise auf einem überbreiten Ledersessel. Auf dem liege ich quer. Den Kopf auf der einen Lehne, die Füße auf der anderen, dazu den Laptop auf dem Schoß. Alternativ geht’s auch auf dem Bett. Halb liegend, mit einem Berg Kissen im Rücken und wieder den Laptop auf dem Schoß. Ich habe gehört, es soll Leute geben, die im Sitzen schreiben. Ich halte das für ein Gerücht. So KANN man nicht schreiben!

 

Da hast du recht. Kann man nicht. Ich hänge momentan kopfüber an einem Deckenhaken. Das fördert die Durchblutung im Gehirn. :-) Auf einer Skala von 1 (keimfrei sauber) bis 10 (gerade noch beherrschbares Chaos): Wie ordentlich sieht es an deinem Arbeitsplatz aus, wenn du in die Tasten hämmerst?

 

Irgendwo bei 5. Meine Freundin macht zwischendurch sauber.

 

Zu welcher Tages- oder Nachtzeit kommen dir für gewöhnlich die besten Ideen?

 

Morgens gleich nach dem Aufwachen. Darum liegt immer ein Notizbuch neben dem Bett.Vormittags funktioniert es auch noch sehr gut. Und da wäre noch die Dusche. Wenn ich dort nicht gerade Sex habe, mit einem halben Dutzend schwedischer Blondinen. Das lenkt eher ab.

 

Natürlich. Vor allem, wenn es fast täglich passiert. :-) Joe durstig bei der schriftstellerischen Arbeit. Wer ist dein Favorit? Kaffee, Tee, Kakao, Beer ;-) oder nichts von dem Zeug?

 

Kaffee. Kaffee ist Autorendiesel. Ohne ihn läuft nichts. Mit Kaffee ist alles gut. Alkohol ist so eine Sache. Suff ist zwar bis zu einem gewissen Masse inspirierend, aber diese Phase ist kurz. Sie ähnelt dem, was folgt, wenn man zuviel Dope raucht. Man glaubt, die Struktur des Mulitversums erstmals völlig klar vor sich zu sehen. Alle Geheimnisse des Lebens lassen sich in klare Sätze fassen. Grossartig! Am nächsten Morgen stellt man dann fest, dass die Hälfte des Geschriebenen nicht zu entziffern ist. Und der Rest unter die Kategorie »Bullshit« fällt.

 

Naschst du nebenher?

 

Ramen only! Kein Süsskram, dafür zwischendurch alle paar Stunden einen Becher Ramen. Ich weiß, es ist Junkfood, aber es schmeckt. Manchmal, nach dem Schreiben, habe ich einen perversen Heißhunger auf Snickers. Ist wohl das Äquivalent zur Zigarette nach dem Sex.

 

Was ist dir in der Regel lieber: Ein Spaziergang mit deinem Lieblingsmenschen am Meer bzw. im Wald, oder eine fröhliche Party mit Freunden?

 

Ich gehe gern mit Kindern in den Wald. Äh, Moment … . Klare Antwort: Der Spaziergang am Meer mit dem Lieblingsmenschen. Besser geht’s nicht!

 

Welchen Stellenwert nimmt der Humor in deinem Leben ein?

 

Noch überlebenswichtiger als Kaffee! Wie mein grosses Vorbild Groucho Marx sagte: Humor is reason gone mad!

 

Hast du ein oder mehrere Haustiere? Falls ja, was für welche?

 

Meine Freundin hatte eine Katze mit Namen Sam. Beim Schreiben hat sie sich immer auf mich gesetzt, zehn Minuten geschnurrt und ist anschließend eingeschlafen. Manchmal mit dem Kopf auf meinem Gesicht. Mit einer schnarchenden Katze auf der Brust schreibt es sich halb so gut. Darum bin ich meistens mit eingeschlafen. Nicht übermäßig produktiv, aber schön. Leider ist Sam vor Kurzem gestorben.

 

Tut mir leid. Was hätte er dir wohl zu Lebzeiten gesagt, wenn er für einen Tag hätte sprechen können?

 

Feed me! Feeeeeed meeeee! I am hungry!

 

Magst du Gartenarbeit?

 

Als ich noch mit meiner Ex zusammen war, lebten wir in einem Haus mit Garten. Damals hat Gartenarbeit Spaß gemacht. Heute haben wir keinen mehr. Insofern hat sich die Sache erledigt. Vermisse ich einen Garten? Ein wenig. Darum beobachte ich gern meine Nachbarin. So oft es geht. Sie mäht im Bikini ihren Rasen.

 

Welcher ist dein bevorzugter Kleidungsstil und warum?

 

Schlabberklamotten, aber nur zu Hause. Einfach wegen der Bequemlichkeit. Ich bin Ende vierzig inklusive gefühlter zwanzig Kilo Übergewicht. Da steht man(n) vor der Wahl, entweder gesund zu leben und Sport zu treiben, oder sich legere Kleidung zuzulegen. Ich habe meine Entscheidung getroffen!  

 

Was gibt es Positives über deinen derzeitigen Wohnort zu sagen?

 

Dass meine Freundin dort wohnt. :-)

 

Was möchtest du deinen Fans mitteilen?

 

Ich habe Fans, echt??? Okay, also: Ihr seid die klügsten, intelligentesten und fundiertesten Literaturkenner, die es gibt!

 

Was möchtest du deinen Kritikern mitteilen?

 

Ich weiß, wo du wohnst, Fuckface!

 

Verrate uns einen oder zwei deiner Lieblingsfilme (nicht Bücher).

 

"The Searchers“ von John Ford und "Airplane“ von Jim Abrahams und den Zucker-Brüdern. Dann natürlich "Schindlers List", "The Lord of the Rings", etc..

 

Siehst du dir die Filme im Originalton an?

 

So oft es nur geht. Bin heilfroh, dass ich diese Marotte mit meiner Freundin teile. So ersparen wir uns die grottenschlechten deutschen Synchronisationen nicht nur im Kino, sondern auch im Fernsehen. 

 

Was schätzt du an deinen (echten) Freunden am meisten?

 

Loyalität und Ehrlichkeit.

 

Wieso hast du dich für das Genre Thriller entschieden?

 

Ich wollte schon seit längerem eine Geschichte über einen scheinbar normalen Charakter schreiben, dem die Normalität dieses Landes so sehr zum Hals raushängt, dass er alles umlegt, was ihm über den Weg läuft. Mein innerer Schweinehund hat mich erstmal davon abgehalten. Dann war eine Co-Autorin gefunden und mein Psychopath hatte eine Beifahrerin :-). Ich denke, Gewalt spielt eine wichtige Rolle in unserem Dasein. Wir zelebrieren sie im Fernsehen, in der Literatur und auf der Kinoleinwand. Man braucht nur die Nachrichten zu schauen, um festzustellen, dass sie auch ein Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit ist. Es ist also ein in jeder Hinsicht brandaktuelles Thema. Ich fand es interessant, die Geschichte aus der Innensicht des Täters zu schreiben. Ich finde die Frage, was einen Menschen dazu bringt, gewalttätig zu werden und was dabei in ihm vorgeht, spannend. Weitaus interessanter, als die üblichen Katz- und Maus Spielchen mit der Polizei, bei der sowieso nur die "Guten" gewinnen. 

 

Welches Projekt steht als nächstes auf dem Programm?

 

Ein Attentat.*

 

* Liebe Geheimdienstmitarbeiter weltweit: Das meint er literarisch. Weiter geht’s. Wenn du eine Rede vor den Vereinten Nationen halten dürftest, um welches Thema würde es vorrangig gehen?

 

The end of the world as we know it.

 

Gibt es einen absoluten Lieblingsschriftsteller, der dich mehr als alle anderen beeindruckt bzw. geprägt hat?

 

Stephen King

 

Bitte gib uns noch einen gut gemeinten Ratschlag fürs Leben.

 

Trau keinem, der nicht über sich selbst lachen kann.

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