Interview

Liebe Mari, du bist Autorin bei REDRUM BOOKS. Erfüllt sich damit ein lang gehegter Traum oder hast du früher bereits Bücher auf den Markt gebracht?

 

Zu REDRUM kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Ich verfolgte in den sozialen Netzwerken den "Aufstieg" dieses seltsamen Michael Merhi und seinem "CANDYGIRL". Irgendwann las ich das Buch und schrieb Anfang Oktober 2016 meine Rezension. Wenig später verkündete Michael via Facebook, dass er einen Verlag gegründet hat. Ich hinterließ einen relativ einfallslosen Kommentar ... und im November trafen wir uns in Berlin zu einem ersten Gespräch. In jenem philosophierten wir über Ansprüche, Ideale und die allgemeine Entwicklung der Buchbranche. Schnell war klar, dass Michael und ich auf einem Nenner sind. Nach zwei Wochen Bedenkzeit war der Drops quasi gelutscht.

 

Hörst du Musik, während du schreibst und falls ja, welche Richtung (bspw. Klassik, Rock, Rap, welche Band/s)?

 

Musik ist für mich sehr wichtig. Ich verstehe die verschiedenen Facetten der Kunst gewissermaßen als Einheit. Abgesehen davon ist es bisweilen nötig, die Kopfhörer aufzusetzen, wenn man nicht allein auf einem Berg wohnt. Das Repertoire reicht von Marilyn Manson bis Morcheeba, wobei ich beim Schreiben eher die sanfteren Klänge bevorzuge – beispielsweise: Robyn, Portishead, Goldfrapp, Molokko oder auch Birdy. Da ich allzu oft mitsingen möchte, höre ich bei der Überarbeitung sehr gern (klassische) Instrumentalmusik von Yiruma oder Soundtracks.

 

Wieviel Zeit hast du für dein aktuelles bzw. letztes Werk benötigt - inklusive Recherche?

 

Derzeit ist in meiner TEXTWERKSTATT verdammt viel los, weshalb ich kaum dazu komme, meine eigenen Projekte zu realisieren. Aber REDRUM gibt mir zum Glück die nötige Zeit, denn ein Buch ist letztlich wie ein guter Wein. Es gehört weit mehr dazu, als nur eine Story zu tippen. Für die ursprüngliche Fassung von "KLIPP KLAPP ..." benötigte ich etwa ein Jahr, davon mehrere Monate für das Psychogramm sowie die Recherchen zur Rechtsmedizin und den Symptomen der unterschiedlichen Todesarten. Für "SUMM SUMM ..." recherchierte ich mehrere Wochen im Sumpf der Stasi und Kinderpornographie. Selbst für die Kurzgeschichte "Rose von Bitterfeld" musste ich mich einige Tage ins Moloch begeben. Kurzum: Ich bevorzuge Delikatessen und kein Fastfood. Deshalb sehe ich das Schreiben als einen Reifeprozess, der seine Zeit braucht.

 

Schreibst du einfach drauflos und die Geschichte entwickelt sich oder arbeitest du streng nach einem vorab ausgearbeiteten Skript?

 

Als ich 2014 mit dem Schreiben begann, tippte ich einfach drauf los. Relativ schnell stellte ich jedoch fest, dass ich mich verzettelte. Selbst die Kunst folgt bestimmten Takten. Mittlerweile erarbeite ich im Vorfeld den groben Plott, die Hauptcharaktere und die Zielsetzung. Während der Überarbeitung von "KLIPP KLAPP ..." durfte ich von Michael Merhi hierzu verdammt viel lernen. Ich wollte mich seinerzeit nicht auf das Genre festlegen, schrieb ein bisschen Gesellschaftsroman und ein bisschen Thriller. Heute weiß ich, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Klare Strukturen sind wichtig.

 

Wo schreibst du bevorzugt?

 

Ich liebe die Abwechslung. Technisch ist heute viel möglich. Die etwa 60 Stunden pro Woche verbringe ich entweder am Schreibtisch mit großem Bildschirm (Textaufträge und Recherchen), am Laptop (Lektorat und Schreiben), am Tablet (Korrekturen), mit dem Kindle (Lesen) oder dem Smartphone (Kommunikation). Ich genieße die komplette Bandbreite der digitalen Welt und die Freiheit, überall arbeiten zu dürfen – im Büro, im Bett, am Strand. Das ist absolut großartig!

 

Auf einer Skala von 1 (keimfrei sauber) bis 10 (gerade noch beherrschbares Chaos): Wie ordentlich sieht es an deinem Arbeitsplatz aus, wenn du in die Tasten hämmerst?

 

Keimfrei ist es nicht, aber ordentlich. Ich gebe zu, da schlummert eine latente Neurose in mir. Weder mein Mann als passionierter Büro-Chaot konnte mich vom Ordnungsprinzip abbringen, noch 23 Jahre im öffentlichen Dienst. Bei mir muss alles an seinem Platz liegen, sonst kann ich mich nicht konzentrieren. Insofern gebe ich mir eine 2 bis 3.

 

Zu welcher Tages- oder Nachtzeit kommen dir für gewöhnlich die besten Ideen?

 

Nachts. Meistens. Das liegt sicherlich daran, dass ich nicht zu den Glücklichen gehöre, die acht Stunden durchschlafen können. Es wuselt einfach viel zu viel durch mein Hirn – nicht nur nachts, aber hier stört mich wenigstens nicht der ordinäre Alltag.

 

Mari bzw. Marion durstig bei der Arbeit. Wer ist dein Favorit: Kaffee, Tee, Kakao, Wodka oder nichts davon?

 

Eher viel zu viel Kaffee, aber auch Wasser und Tee. Alkohol ist ein No-Go während des Schreibens, da brauche ich einen klaren Kopf. Nach der Arbeit darf es  schon mal gern ein Glas Wein, Gin oder Wodka sein.

 

Naschst du nebenher?

 

Verdammt noch mal, JA.

 

Was ist dir in der Regel lieber: ein Spaziergang mit deinem Lieblingsmenschen am Meer bzw. im Wald oder eine fröhliche Party mit Freunden?

 

Alles schön. Ich mag gute Gespräche und ausgelassene Partys. Am liebsten bin ich am Meer. Und am allerliebsten allein.

 

Welchen Stellenwert nimmt der Humor in deinem Leben ein?

 

Ja, mit dem Humor ist das so eine Sache. Ich bevorzuge ihn tiefschwarz und subtil. Und die Ironie ist bekanntlich die Schwester der Intelligenz. Deshalb kommt es bisweilen zu Missverständnissen, die ich wiederum (meistens) mit Humor nehme.

 

Hast du ein oder mehrere Haustiere? Falls ja, was für welche?

 

Mein Kater Moritz lebt seit etwa zehn Jahren bei mir. Von Besitz ist jedoch keine Rede. Das Wort "haben" gefällt mir im Zusammenhang mit Lebewesen im Allgemeinen nicht. Ich verstehe das Zusammensein mit Mensch und Tier als Koexistenz. Der Kater sieht das als Freigänger in jedem Fall genauso.

 

Wenn du für einen Tag dein Haustier wärst und sprechen könntest, was würdest du dir unbedingt sagen wollen?

 

Wenn ich das auf den verfressenen Kater beziehen soll, dann: Erfinde endlich einen Dosenöffner für Katzen. Dann muss ich nicht immer auf mein Futter warten, bis du endlich mal Zeit hast.

 

Magst du Gartenarbeit?

 

Ja und nein. Ich liebe die Natur und meinen Garten. Solange ich freiwillig agieren darf, ist es eine tolle Sache, die mich entspannt. Wenn allerdings das Unkraut sprießt und der Rasen verwelkt, dann ist es ein MUSS.

 

Welcher ist dein bevorzugter Kleidungsstil und warum?

 

Ich kleide mich am liebsten so, wie ich mich fühle. Insofern kommt es vor, dass ich mit Jogginghose in den Supermarkt gehe oder auch in High-Heels. Für besondere Anlässe putze ich mich gern mal heraus, ansonsten tun es auch Chucks, Jeans und T-Shirt.

 

Was gibt es Positives über deinen derzeitigen Wohnort zu sagen?

 

Vor einigen Jahren bestimmte das Schicksal, dass ich vor die Tore meiner Heimatstadt zog. Als gebürtige Berlinerin brauche ich das Big-City-Life ab und zu. Prinzipiell bin ich aber froh, im Grünen zu leben – ohne all die Menschen, die Hektik, den Mief und den Lärm.

 

Was möchtest du deinen Fans mitteilen?

 

Vielen Dank für eure Begeisterung, eurer Interesse, eure Anerkennung und eure zahlreichen Nachfragen. Ohne euch wäre alles nichts. Gebt mir noch ein bisschen Zeit. Ich bin fleißig dabei, für Nachschlag zu sorgen.

 

Was möchtest du deinen Kritikern mitteilen?

 

Konstruktive Kritik nehme ich mittlerweile gern entgegen, auch wenn es mitunter einige Tage dauert, bis ich sie verdaut habe.

 

Verrate uns einen oder zwei deiner Lieblingsfilme (nicht Bücher).

 

Die meisten guten Filme basieren auf einem Buch, weshalb die Antwort schwierig ist. Aber ich versuche es mal: Ich liebe die Filme von Quentin Tarantino, die schwedische Verfilmung der "Millennium"-Trilogie von Stieg Larsson, den Spreewaldkrimi sowie die Fernsehserien "Black Box" und "Fleabag".

 

Was schätzt du an deinen (echten) Freunden am meisten?

 

Da könnte ich jetzt schreiben: Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit ... blabla. Das sind (zumindest meiner Meinung nach) selbstverständliche Features einer Freundschaft. Das absolut wichtigste Merkmal in jeder Beziehung ist für mich Akzeptanz, also so sein zu sein dürfen, wie ich bin.

 

Wieso hast du dich für das Genre Thriller entschieden?

 

Das passierte keineswegs mit Absicht. Wie gesagt, wollte ich mit meinem Debüt eigentlich einen Gesellschaftsroman schreiben. Im Laufe der Zeit erkannte ich aber, dass mir das zu wenig ist. Ich will noch tiefer in die menschlichen Abgründe eintauchen. Es geht mir darum, den gesellschaftlichen Dreck unter dem Teppich hervorzuholen und die Schattenseiten unserer Spezies ans Licht. Deshalb kann ich mich im Genre "Thriller" eindeutig besser austoben und meiner Passion folgen.  

 

Welches Projekt steht als nächstes auf dem Programm?

 

Sobald ich mit "KLIPP KLAPP ..." und "SUMM SUMM ..." fertig bin, möchte ich mich endlich "Miss!Verständnis“ widmen. Das ist eine absolut durchgeknallte Frau, die mir schon ewig im Kopf herumschwirrt. Sie darf alles sagen und tun, was ich nicht darf. Ich freu mich drauf.

 

Wenn du eine Rede vor den "Vereinten Nationen" halten dürftes, um welches Thema würde es vorrangig gehen?

 

Mensch. Mein Lieblingswort ist Mensch: Pur. Klar. Genderfrei. Meine Frage an die UN wäre deshalb: Wann hören wir endlich auf, Menschen nach Farben, Orten und Geschlechtern zu sortieren?

 

Gibt es einen absoluten Lieblingsschriftsteller, der dich mehr als alle anderen beeindruckt bzw. geprägt hat?

 

Nö. Es gibt so viele tolle Autoren. Jussi Adler-Olsen finde ich großartig. In letzter Zeit habe ich außerdem einiges von Gillian Flynn und Chuck Palahniuk gelesen, das mich begeistert hat.

 

 

Bitte gib uns noch einen gut gemeinten Ratschlag fürs Leben.

 

Jeder das Recht, seine eigenen Fehler zu machen und bestenfalls daraus zu lernen. Ansonsten sage ich meinem Stiefsohn immer: Höre niemals damit auf, neugierig zu sein. Gehe deinen eigenen Weg, höre zu, aber lass dir nichts sagen.

 

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